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Jobsuche in Norwegen!


Als Ausländer in Norwegen Arbeit zu suchen, ist nicht gerade das einfachste Vorhaben, das haben wir erfahren müssen, mein Liebster und ich. Alle sagten: - Bist du Ingenieur, pfff, das ist kein Problem, du bekommst sofort einen Job! So einfach war es aber nicht...

Die erste Herausforderung war der kulturelle Ton. Der Deutsche ist Formalitäten gewohnt, aber in Norwegen stieβ er nicht nur auf das Informelle, worauf ich ihn vorbereitet hatte, sondern zeitweise auf einen schlechthin unhöflichen Tonfall.
Auf seine Bewerbung bei einer großen bekannten Firma zum Beispiel fragte ihn der dortige Personalkonsulent, eine Prominenz unter Gleichgesinnten, wann er das nächste Mal in Norwegen ist. Er wollte sich dann mit ihm treffen.
Der Deutsche schrieb, dass er seinen Weihnachtsurlaub in Norwegen verbringt und schlug vor, sich am Tag vor Weihnachten, zwischen den Feiertagen oder am Tag nach Silvester mit ihm zu treffen.
Daraufhin bekam er die kurze und letzte Nachricht: Wir arbeiten nicht an diesen Tagen hier in Norwegen! Keine „freundlichen Grüβe“, kein „frohe Weihnachten“, und es wurde still. Das ist nur eines von vielen Beispielen.
Er war überrascht über unprofessionelle Personalkonsulenten, Headhunter und potenzielle Arbeitgeber. Mir war es peinlich. Die Motivation lieβ nach.

Die zweite Herausforderung war die Bedingung, Norwegisch sprechen zu können. Dies war ein sich wiederholendes Argument für eine Absage. Und ich dachte, alle wüβten, dass die Deutschen im Handumdrehen Norwegisch lernen! Im Gesundheitswesen werden viele mit geringen Norwegischkenntnissen angestellt. Merkwürdig eigentlich, wenn es um die menschliche Gesundheit geht, wird wenig verlangt, aber bei der Behandlung von Sachen und Dingen wird viel mehr verlangt! Seid euch bewusst, dass ich wenig Ahnung habe von der Ingenieur-Branche, aber ich wundere mich trotzdem.

Der Deutsche nahm Kontakt auf mit Gunn Rogge. Sie leitet das Arbeitskontor in Berlin, eine Firma, die deutsche Arbeitnehmer rekrutiert. Die Stimmung war gedämpft.

- Sie reden von einer Ingenieurkrise, aber daran glaube ich nicht mehr. Der Bedarf kann nicht so groβ sein, wie sie es darstellen, wenn sie Bewerber abweisen mit dem Argument, daβ diese kein Norwegisch können oder nicht genug praktische Erfahrung haben, sagt sie.

Also, wenn sie es nicht verstehen konnte, wie sollten wir?

Wenn man einige Jahre lang zwischen Norwegen und Deutschland hin- und hergependelt ist, trotz Streiks hier und Vulkanausbrüchen dort, hat man Sicherheitskontrollen, Schlangestehen, schreiende Kinder, Betrunkene, Flugplätze, Flugbusse, Flugzüge, Flugpassagiere, Fliegen und, kaum zu glauben, Taxfree!, ziemlich satt. Man wird auch ein gerissener Reisender. Ausgerüstet mit Silikonohrstöpseln, Nackenkissen, extra Decke und einem guten Schlafherz, schläft man ein, bevor das Flugpersonal mit dem Vorführen der Sicherheitsinstruktionen angefangen hat. Aber zurück zur Arbeitssuche.

Es heiβt: Wird dir die Tür vor der Nase zugeschlagen, öffne ein Fenster! Wir entschlossen uns, alle Fenster zu öffnen und hinauszuzwitschern. Der Deutsche errichtete ein LinkedIn-Profil. Das Profil wurde an mein Twitter-Profil angeschlossen, mit dem dazugehörigen Text Wer kann meinem Mann einen Job in Oslo verschaffen? Dann begann ich zu twittern mit dem Hashtag #ingeniør, und die Responz war überwältigend. Ich bekam haufenweise Mentions, RTs (retweets) und DMs (direct messages). Twitter-Leute twitterten, viele kamen mit Ratschlägen für Kontakte, gaben selber guten Rat, baten um seinen Lebenslauf und eine offene Bewerbung. Das eine führte zum anderen, und schwupp, zwei Tage später biβ jemand an. Ich hatte eine E-Mail geschickt an eine Kontaktperson, die ich über Twitter bekommen hatte. Die E-Mail lautete wie folgt:

Hei, X!
Dies mag eine merkwürdige Anfrage sein, aber ich habe nichts zu verlieren.
In meiner verzweifelten Suchen nach Kontakten in der Ingenieur-Branche, oder der Suche nach einem Netzwerk, bekam ich Ihren Namen von einem Twitterer.
Es ist so, daβ ich und mein Auserkorener jetzt seit 3 Jahren zwischen Deutschland und Norwegen pendeln. Wir sind es leid, hin- und herzufliegen. Wir hatten geplant, daβ mein Freund nach Oslo zieht. Ich, in meiner Naivität, habe immer gedacht, daβ der große Mangel an Ingenieuren in Norwegen es leicht machen würde, Arbeit zu finden. Das ist es jedoch nicht. Meist liegt es an mangelhaften Sprachkenntnissen. Der Deutsche hat grundlegende Norwegischkenntnisse durch wöchentliche Norwegisch-Kurse in Köln, Intensivkurse in Oslo und den Umgang mit meinem Freundeskreis/meiner Familie. Wie die meisten Deutschen, wird er den Rest schnell lernen im Laufe von ein paar Monaten, aber die Ingenieur-Branche stimmt uns da offensichtlich nicht zu. Oder geben sie der Sache keine Chance? Selbst bin ich nicht in der Ingenieur-Branche und habe eigentlich keine Ahnung, wie das funktioniert. Er hat selbstverständlich seinen Lebenslauf bei etlichen Headhunter-Firmen hinterlegt, aber das scheint kein bemerkenswertes Interesse auszulösen. Ich verstehe nicht ganz warum, da seine Ausbildung und Berufserfahrung von hoher Qualität sind. Diese E-Mail ist keine Bewerbung im Namen des Deutschen, das tut er selbst. Ich erschließe die Landschaft in der Hoffnung, guten Rat einzuholen und in die richtige Richtung geleitet zu werden.
Den Lebenslauf meines Freundes finden Sie hier: Link LinkedIn
Können Sie uns einen guten Rat geben?
Im Voraus herzlichen Dank.
Mit freundlichen Grüβen… @Brinchern

Die Antwort kam einige Tage später: 

Hei… @Brinchern
Entschuldige bitte, dass ich erst jetzt Zeit habe, zu antworten. Ich habe das Profil des Deutschen mit einigen meiner Kollegen geteilt (die in relevanten Branchen arbeiten) und werde mit ihnen ein wenig diskutieren. Es wäre nett, wenn der Deutsche mir einen kompletten CV per E-Mail zukommen lassen könnte.
Mit freundlichen Grüβen…. X

Es ist kaum nötig zu unterstreichen, dass der Deutsche tat, worum er gebeten wurde, aber da ich so gründlich bin, tue ich es trotzdem. Juhu, der Schneeball war ins Rollen gekommen und das Mitte Mai!
Es gab ein erstes Vorstellungsgespräch, es gab ein zweites Vorstellungsgespräch, und es gab ein drittes Vorstellungsgespräch. Diese Zeitspanne war nervenaufreibend und merkwürdig. Glücklicherweise war der deutsche Arbeitgeber zuvorkommend und kooperativ. Der Deutsche musste sich ständig plötzlich ins Flugzeug setzen, um zu einem neuen Gespräch zu fliegen. Die Zeitrahmen waren eng und die Flugtickets auch entsprechend teuer. Dies alles ist ein geringer Preis angesichts des Ziels, doch trotzdem herausfordernd und mental anstrengend. Einerseits will man den Job gerne haben, andererseits will man sich dem jetzigen Arbeitgeber gegenüber loyal verhalten und nichts auf Spiel setzen. Wenn man sich etwas sehr stark wünscht, wird man sehr flexibel. Das Vakuum nach dem letzten Gespräch nahm kein Ende und unerträglich. Der Ausgang des Verfahrens ungewiss. Haben wir das Ziel erreicht oder sind wir auf der Zielgeraden doch noch gescheitert?
Halbwegs waren die Daumen hoch, mündlich war er als Nr. 1 angesehen. Dann kam endlich der Vertrag, per E-Mail und mit Unterschrift, wir jubelten und konnten ausatmen.



Was haben wir also gelernt, und was können andere arbeitssuchende Ausländer daraus lernen?

Du musst kein Norwegisch können, aber Englisch. Und es lohnt sich, einen Plan für das Lernen von Norwegisch zu haben. Der Deutsche begann das Lernen in seinem Heimatland und setzte es dann mit Intensivkursen in Norwegen fort. Es gibt auch gute Kurse übers Internet.

Du kannst nicht mit mehr als einer Antwort auf 10 E-Mails rechnen. Lasse dich nicht hindern von norwegischer Unhöflichkeit, die steckt nicht so tief, außerdem gibt es immer noch einige Höfliche. Es kann ja sein, daβ du Glück hast und auf einen von diesen stößt.

Sei dir bewusst: Die Norweger ärgern sich zwar über Mañana-Haltungen, neigen aber selbst sehr häufig zu Willy Wiberg-Tendenzen und „wollen nur noch…“.

Ein Lichtblick sind einige High-Tech-Gesellschaften, vor allem auf dem Gebiet der Software, die großen Konsulentenbetriebe, einschließlich Teile des maritimen Sektors – dort ist man in wachsendem Maße Teil einer globalen Gesellschaft. Untersuche die Betriebe, die Ausländer in ihrer Betriebsleitung haben, wo auch in der Kantine Englisch die Konzernsprache ist – nicht die Gesellschaften, die Informationen an ihre Angestellten auf Norwegisch mit anliegender ”Übersetzung” versenden.
Selbstverständlich darf ich die Öl-Branche nicht vergessen, hier ist die Arbeitssprache meist Englisch.

Soziale Medien brachten uns Glück, vielleicht geht es dir auch so!
Werde aktiv in sozialen Medien wie LinkedIn, Twitter, Facebook. Knüpfe deinen LinkedIn-Lebenslauf an Konten wie Twitter und Facebook an.
Habe keine Angst, lehne dich vor und sei neugierig.
Twitter: Folge allem, was es an Headhuntern gibt. Folge dem Arbeiter und dem Chef. Benutze #hashtags aus deiner Branche. Auf diese Weise lernst du andere kennen und bildest Netzwerke. ”Spreche” über andere Themen. Wenn andere meinen, sie kennen dich ein wenig, ist es später einfacher, auf arbeitsbezogene Themen zu antworten. Kannst du ein biβchen Norwegisch, spiele mit der Sprache, bitte um Sprachhilfe. Die Norweger lieben es, die Netten zu sein!

Verliere nicht den Mut!
Viel Glück!

1 kommentar:

  1. Spændende. Og tillykke med jobbet. Jeg har også tysk familie i Norge, på Hidra.

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